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06.02.2013  Horror Schocker aus Lemgor Geschichte



Großes Kino um kleinen Comic

Lemgo. Welch ein Spektakel. Dass ein kleiner Comic die Gemüter in Lemgo mal derart erhitzen würde, hätte Luisa Preißler, Illustratorin des Comics „Der Hexenrichter“, wohl nicht gedacht. Die Studentin hatte sich das Thema der Hexenverfolgung für ihre Bachelorarbeit an der Hochschule OWL ausgesucht und in neu interpretiert. Der Comic erschien beim Weissblech Verlag in der Zeitschrift „Hammerharte Horror Schocker“. Jetzt soll ein Film daraus entstehen. Doch darüber sind einige Bürger und Politiker nicht erfreut. Die Wellen schlagen hoch. Man wirft der jungen Zeichnerin vor, den ernsten Hintergrund nicht realistisch, sondern sexistisch dargestellt zu haben. Er werfe ein falsches Licht auf die Stadt Lemgo mit seiner Aufarbeitung der Hexenverfolgung. Der Vorwurf geht in diese Richtung: Der damalige Prüfungsausschuss der Studentin müsse sich vor dem Rat rechtfertigen. Doch warum? Im Prinzip geht es um die Frage, in wie weit die Autorin Gebrauch von ihrem Grundrecht auf künstlerische Freiheit machen kann. Oder ob diese Freiheit Einschränkungen unterliegt.

Klar, jeder hat Persönlichkeitsrechte, auch Verstorbene (Postmortales Persönlichkeitsrecht), aber mit dem Tod erlischen auch die Grundrechte, zusammen mit dem Namensrecht und dem Datenschutz. Trotzdem gibt es noch moralische Aspekte zu bedenken. Maria Rampendal, die in dem Comic auch erscheint, hat in Lemgo ein hohes Ansehen. Diesem und dem der anderen Verbrannten sollte nicht geschadet werden. Allerdings darf man nie vergessen: Es handelt sich um einen Comic und einen daraus folgenden fiktiven Film. Das Thema bietet also ordentlich Zündstoff, und schägt in der Lemgoer Szene hohe Wogen. Luisa Preißler wird‘s freuen. Denn es ist die perfekte Werbung für ihren Comic, der durch Spenden über Crowdfunding nun verfilmt werden kann.

Nadine Hilker:

„Luisa Preißler ist an-scheinend sehr talentiert, ich finde es gut, dass sie die Lemgoer Geschichte mal anders auslegt.

Natürlich ist sie dabei sehr provokant, aber eine Diskusion darüber ist doch gar nicht schlecht.

Die Politiker sehen das zu spießig, die Frau wird für mich nicht sexistisch dargestellt.“

Jenny Metzger, 18:

„Der Comic wirkt schon sexistisch. Ich finde die Ursprüng-liche Geschichte zu grausam und wichtig, um sie so dar-zustellen.

Deswegen sollte der Comic auch nicht ver-filmt werden. Das wäre, denke ich, auch negativ für Lemgo, gerade weil hier die Hexen-verbrennung sehr bedeutend ist.“

Marie Riegler, 16:

„Um die Geschichte wird viel zu viel Wirbel gemacht. Zwar finde ich es nicht gut, diese schlimme Geschichte so darzustellen, aber der Comic wird zu ernst genommen.

Andererseits kann ich mir vorstellen, dass es Lemgo schon bekannt macht.

Sexistisch wirkt das Titelbild auf mich nicht, dafür sind andere Sachen viel wichtiger.“

Tobias Focke, 27: Studentand der Hochschule OWL:

„Ich finde es gut, etwas, was schon existiert beweglich zu machen. Die Ver lmung des Comics ist total interessant, weil sich jüngere Leute mal mit Lemgo beschäftigen. Allgemein denke ich, dass jede Art von Presse gut für Lemgo ist, sonst redet man ja nicht über diese Stadt. Die Geschichte so zu interpretieren wie Luisa Preißler in ihrem Comic, nde ich nicht schlimm sondern eher kreativ. Es ist oft so, dass wahre Begebenheiten zum Ver lmen abgeändert werden müssen, um eine gute Spannungs-kurve zu erzielen. Sobald jedoch Namen verwendet werden muss es wahrheitsgeträu bleibe.

Man sollte Maria Rampendahl also entweder realistisch darstellen oder andere Namen verwenden."

Ullrich Müller, 53:

„Das Titelbild stellt die Frau auf dem Scheiterhaufen auf jeden Fall sexistisch und unangemessen dar. Ich denke, die jungen Leute sind sich über die Hintergründe (Machttrieb, eigene Halsgerichtsbarkeit für Lemgo, ...) nicht richtig im Klaren und wie sehr diese Menschen, auch Männer, gelitten haben.

Aber wir leben nun mal in einem freien Land und ein Comic ist ein moderner Weg, Geschichten widerzuspiegeln, wenn auch einige Bilder sicher daneben sind. Künstlerisch finde ich das Werk, soweit gesehen, gut. Die Kritik sollte den jungen Leuten jedoch zu denken geben.

Allerdings ist die Aufregung übertrieben. Der Comic wäre ohne die Reaktionen nicht so populär geworden, sondern eher ein Sturm im Wasserglas. Es gibt für mich keinen Anlass zur weiteren Aufregung"

„Im Rahmen der freien Meinungsäußerung kann sich jeder auch mit historischen Themen beschäftigen, gleich wie intelligent oder sich selbst blamierend. Hier geht es um die Bewertung einer Examensarbeit. In dem zur Prüfungsarbeit gehörenden Textteil wird deutlich, dass sich die Verfasserin nur mangelhaft mit der Geschichte beschäftigt hat.


Dr. Harald Pohlmann, Vorsitzender CDU Ratsfraktion Lemgo:

Das sagten Bürger der Lippischen Wochenschau:

Ein Prüfungsausschuss, der dies verkennt, hat ein ähnliches Problem wie einer, der einen Plagiatsversuch übersieht. Ich persönlich finde folgendes Geschmacklos:

Wir ehren Maria Rampendal als mutige, starke Frau, die sich der Tyrannei widersetzt hat. In dem Comic erwidert sie nackt dem auf dem Bett liegenden Tyrannen auf seine Aussage, ‚wer nicht kuscht brennt‘: „Du bist so gnadenlos. Ich bewundere Deine Stärke. Ich bin glücklich, dass Du mich ausgewählt hast. Mach mit mir, was Du willst, und so oft Du willst.

"So wird die Ehre einer Toten beschmutzt."

Erich Wassermann:

„Der Comic ist eine freie künstlerische Leistung. Jeder weiß, was ein Comic ist. Daß die Geschichte nicht ganz realitstisch dargestellt wird, ist für mich klar.

Aus meiner Sicht ist er deshalb sogar förderlich für das Marketing. Es muss sich mit der wahren Geschichte befasst werden. Deshalb halte ich die Verfil- mung für unange-bracht.

Diese würde den Inhalt des Comics zu sehr versachlichen und damit einen falschen Eindruck der Lemgoer Geschichte vermitteln.“

Hintergrund Infos zum Film:

Mitte 2012 entdeckte Thomas Leveringhaus den Comic „Der Hexenrichter“ , sah in den Bildern direkt das Potenzial für einen Kurzspielfilm und nahm es zum Anlass, seine Firma „Sodawasser Productions zu gründen. Produziert werden soll der Film an Originalschauplätzen in Lemgo, wofür die Stadt dann auch eine Drehgenehmigung erteilen müsste….

Unterstützen kann man die Filmemacher hier:

www.startnext.de/hexenrichter

Wer den Comic lesen will,kann ihn hier für 3.90 € bestellen:

www.weisblechcomics.com

Die Webseite der Künstlerin:

www.luisapreissler.de